4. März 2013

Der Krawatten Guide (Teil 1): Die Krawatte und Ihre Muster

Krawatte, Hemd und Anzug sind heutzutage fester Bestandteil des klassischen Businessoutfits. Aber auch fernab des Büroalltags gibt es viele unterschiedliche Anlässe für eine Krawatte. Die Auswahl an unterschiedlichen Krawattenformen, Mustern und Qualitäten ist dabei riesengroß. Was passt also fürs Büro, welche Krawatte wähle ich für ein elegantes Dinner oder einen festlichen Anlass? Wir wollen Ihnen die wichtigsten Grundmuster der Krawatte und Ihre jeweilige Aussage in diesem Artikel heute näher bringen…


Grundsätzlich gilt:
Eine gute Krawatte sollte aus Seide sein. Mischgewebe wie Seide-Leinen, Baumwolle-Leinen oder auch Kaschmir und Wolle sind – wenn gut kombiniert – auch in Ordnung. Von Krawatten aus Kunstfaser ist aber aus Stilgründen abzuraten. Leider können wir das wichtigste Merkmal einer Krawatte hier nicht abbilden: sie muss sich gut anfühlen. Sollten Sie beim Krawattenkauf im Geschäft vor Ort sein, machen Sie also ruhig von Ihrem Tastsinn gebrauch. Was sich gut anfühlt ist meist auch die passende Qualität für Sie. Sogenannte Knittertests sollten wenn überhaupt, nur vorsichtig ausgeführt werden, um die Krawatte – die man(n) ja noch nicht erworben hat – keinesfalls zu Beschädigen.

Wie entstand eigentlich die Schnittform der heutigen Krawatte?
Jesse Langsdorf aus New York hatte folgende Idee: anstatt die Krawatte, sowie bis dato üblich, einfach so aus dem Stoff zu schneiden, beachtete er einen Winkel von 45 Grad zur Laufrichtung des Stoffes. Zudem wurde die Krawattenseide üblicherweise nur in einem Stück ausgeschnitten. Er aber, schnitt drei verschiedene Teile aus, die alle zusammen genäht wurden. So wurden hässliche Falten durch den Knoten vorgebeugt und ein Schonen des Stoffes gesichert. Die meisten guten Krawatten werden auch heute noch auf diese Weise hergestellt. Danke Mr. Langsdorf!

Handmade – was sind die Merkmale?
Die Nahtstellen zwischen den drei Einzelteilen einer guten Krawatte sind heutzutage meist von einer Nähmaschine. Die Bezeichnung “handmade” oder “handfinished” trägt eine Krawatte dann, wenn die Naht, welche die Krawatte an der Innenseite zusammenhält von Hand genäht ist.  Natürlich gibt es auch komplett handgenähte Krawatten, wie zum Beispiel von den Schneidern der berühmten britischen Savile Row. Hier werden die Krawatten nicht in einer Manufaktur gefertigt, sondern einzeln von Hand genäht. Natürlich sind diese Krawatten die exklusiven Ausnahmen der Krawattenproduktion.

Die einfarbige Krawatte
Die Unikrawatte ist immer eine gute Wahl, weil diese edel und leicht zu kombinieren ist. Die Uni-Krawatte gibt es natürlich in unterschiedlichen Webarten und zahlreichen Farbigkeiten. Im Büro sind Marineblau, dunkles Rot oder gedecktere Grautöne immer eine gute Kombimöglichkeit. Für festliche Tagesanlässe eignen sich ebenfalls gedecktere Blau-, Rot- und Grautöne. Zu einem schicken Abendessen können Sie durchaus mit einer helleren Krawatte Ihrer Wahl erscheinen.

Gestreifte Krawatten
Gestreifte Krawatten sind auch heutzutage noch oft die Merkmale der Zugehörigkeit eines Clubs oder Colleges. Das erste berichtete Vorkommen dieser Tradition geht auf die Schüler der Oxford University zurück, welche sich Ihre Hutbänder um den Hals banden um für ein einheitliches Club-Auftreten zu sorgen. Die Begeisterung für Krawatten und Ihre sprechende Wirkung war somit geschaffen. Bald übernahmen auch andere Colleges diese Idee um Ihren Zusammenhalt auszudrücken.

Natürlich ist nicht jede gestreifte Krawatte Ausdruck einer Zugehörigkeit und besonders in Deutschland ist diese Tradition nicht allzu verbreitet. In England oder Amerika ist dies aber durchaus der Fall. Sie sollten also peinlich darauf achten, bei Meetings mit Geschäftspartnern aus England nicht zur falschen gestreiften Krawatte zu greifen. Da es in England eine riesige Anzahl von “sprechenden” Farbkombinationen gestreifter Krawatten gibt, sollten Sie diese entweder genau kennen (fast unmöglich) oder im Zweifelsfall eher zu einer anderen Musterung bei Ihrer Krawatte greifen.

Bei Streifen, gilt auch hier wieder: bei Geschäftsterminen, im Büro und bei festlichen Tagesanlässen, bitte zu gedeckten Farben greifen. Beim Dinner am Abend, sind alle Farbkombinationen erlaubt. Sollten Sie jemals vor der Aufgabe stehen eine Krawatte für ein TV-Interview wählen zu müssen, bedenken Sie folgendes: Kleinmuster/feine Streifen flimmern auf dem Bildschirm und sind nicht wohltuend für das Auge des Betrachters.

Gepunktete Krawatten
Kleine Punkte in Farben wie Weiß auf Blau oder Rot sind die Klassiker. Helle Farben wie Beige, Hellgelb oder Grüntöne sind eine gute Wahl für die Sommerzeit. Umso größer die Punkte, desto gewagter der Look. Große Punkte und grelle Farben sind definitiv nichts für geschäftliche Treffen, den Büroalltag oder festliche Anlässe. Im privaten Rahmen bleibt es Ihnen selbst überlassen, wie gewagt Ihre Punkte sein dürfen.

Paisley Krawatten
Das Paisley Muster stammt eigentlich aus dem Orient. Für private Anlässe sind den Farbkombinationen in Kräftigkeit und Ausdruck keine Grenzen gesetzt. Für den Freizeitlook eignet sich das Paisley-Muster auch am Besten. Zu Legersakkos sind helle Muster in den Farben Braun, Ocker, Orange und Grün besonders vorteilhaft. Für Businessanlässe empfehlen sich wie auch bei allen anderen Mustern sehr gedeckte Farbigkeiten, wie zum Beispiel Weinrot oder dunkle Blautöne.

Geometrische Muster
Gute geometrische Muster sind dezent und muten dem Gegenüber keinen allzu anstrengenden Anblick zu. Besonders bei Businessmeetings ist es wichtig, dass die Krawatte nicht vom Gesprächsthema ablenkt – dies ist ansonsten eine sehr kontraproduktive Aufmerksamkeit.

Motivkrawatten & Fantasiemustern
Ob Pflanzen, Teddybären, Herzchen oder kunstvolles Batik  – diese Art von Krawatten haben im Geschäftsleben nichts zu suchen. (es sei denn Sie sind Kinderarzt – dann wäre die Teddybären-Krawatte zumindest gerechtferigt…) Privat sind Muster bekanntlich eine Geschmacksache; Sie sind für Ihr Auftreten selbst verantwortlich. Aus Stil-Gesichtsgründen können wir Ihnen als erwachsenen Mann aber auch im Privatleben nur von Fantasiemustern auf Ihrer Krawatte abraten.

Glencheck oder Pepita Krawatten
Glencheck und Pepita-Muster sind auffallend und unruhig. Hier gilt folgende Kombinationsregel: wählen Sie diese auffallenden Krawatten nur zu einem sehr schlichten Anzug mit einem einfarbigen Hemd. Auch bei der Farbkombination sollten Sie stets zu gedeckten Farben greifen.

Wir hoffen wir haben Ihnen die Grundmuster der Krawattenfamilie ausreichend näher gebracht. Wir freuen uns trotzdem immer über Ihre Fragen zu Kombinationsmöglichkeiten von Krawatte und Hemd und werden diese gerne beantworten. Bitte stellen Sie Fragen als Kommentar unter den Artikel ein. Vielen Dank.

Hier könnt ihr noch mehr über Krawatten erfahren:

Der Krawatten Guide (Teil 2): Welcher Krawattenknoten zu welcher Kragenform passt

Der Krawatten Guide (Teil 3): Krawattenknoten binden: Der Four-in-Hand-Knoten

Der Krawatten Guide (Teil 4): Krawattenknoten binden: Der Einfache Windsor

Der Krawatten Guide (Teil 5): Krawattenknoten binden: Der Doppelte Windsor

 

 

Comments

comments

2 thoughts on “Der Krawatten Guide (Teil 1): Die Krawatte und Ihre Muster

  1. Conrads sagt:

    Hallo!
    Und wie trägt “Mann” die Krawatte heute? Schmal, breit? Ist das berufsabhängig?? Ich habe beobachtet, dass die Krawattenbreite immer schmaler wird.. Danke für den Tipp vorab!

    1. Janina sagt:

      Hallo Herr/Frau Conrads,
      Vielen Dank für Ihre Nachfrage. Die Krawattenbreite ist heute schmaler als vor ein paar Jahren, das haben Sie schon richtig beobachtet. Die Breite richtet sich hierbei nach der jeweiligen Mode. Sehr modische Krawatten haben momentan eine Breite von 5,5 cm. Klassische Krawatten liegen bei 7,5 cm.

Schreibe einen Kommentar zu Conrads Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.