19. August 2013

Herrenschuhe: Die wichtigsten Modelle

Mit der am 31.08.2013 anstehenden Eröffnung unserer neuen, noch größeren Schuhabteilung im Hirmer Stammhaus, wird es auch hier im Blog mal wieder Zeit sich den Herrenschuhen zu widmen. Wir wollen Ihnen heute die 7 wichtigsten Schuhmodelle der Herrenmode vorstellen. Jedes dieser Modelle sollte seinen Platz im Schuhschrank eines echten Gentlemen haben. Gespannt welche Schuhe dabei sind? Lesen Sie hier weiter ….

Der Derby
Der Derby (ausgesprochen „Darbie“) ist ein sportlicher Herrenschuh mit offener Schnürung und zwei auf dem Vorderblatt liegenden Quartieren. (Quartier: hinterer und seitlicher Teil des Schaftes). Er ist meist aus feinem, braunem oder schwarzem Kalbs- oder Cordovan-Leder. Es gibt ihn auch in Rauleder, allerdings ausschließlich in Braun. Die schwarze Variante mit dünner Ledersohle eignet sich gut für förmliche Anlässe oder geschäftliche Meetings. In der Freizeit wird er meist in Braun mit etwas soliderer Sohle getragen. Die Einsatzmöglichkeit dieses Schuhs hängt also von seinem Material und der Beschaffenheit der Sohle ab.

Die genaue Herkunft des „Derby“ ist nicht ganz eindeutig. Es heißt allerdings, das einer der Grafen von Derby, aufgrund eines sehr hohen Fußrists Probleme mit seinen Schuhen hatte. Sein Schuster hat dann den „Derby-Schaftschnitt“ zur Problemlösung entwickelt. In USA wird der „Derby“ übrigens meist „Blucher“ genannt, weil er von der Form her auf die Schnürstiefel der Blücherschen Soldaten zurück geht. Diese Namensgebung wird allerdings hier in Europa selten benutzt.

Der Oxford
Der Oxford gilt heute als eines der elegantesten Herrenschuhmodelle und gehört in den Schuhschrank eines jeden Gentlemens. Umso interessanter ist es, das sich der Oxford der Überlieferung nach, erst Ende des 19.Jahrhunderts aus einer Stiefelette zum Halbschuh entwickelt hat. Die Akademiker des Oxford-College in England sollen zu diesem Zeitpunkt beschlossen haben, das ein Halbschuh – und nicht wie üblich die Stiefelette – ein besseres Ausdrucksmittels Ihres Kleidungsstils ist. Schnell wurde der Oxford ein beliebter Sommerschuh und war nicht mehr aus dem Erscheinungsbild der „modernen“ Herrenmode wegzudenken. Später entwickelte sich aus dem Sommerschuhmodell mit dünner Ledersohle, ein robuster Schuh welcher sich dick besohlt auch bei schlechtem Herbstwetter eignete. Typisch für den Oxford ist die geschlossene Schnürung mit meist fünf Schnürösen-Paaren. Die für die Schnürung verantwortlichen Seitenteile sind unter das Vorderblatt genäht. Von der Lasche ist idealerweise nicht mehr als der obere Rand zu sehen.

Heute gilt der schwarze Oxford als perfekter, förmlicher Schuh zum Anzug. Dies gilt sowohl für den Businessalltag als auch für förmliche Anlässe. Der schwarze Oxford kann in seiner förmlichsten Verwendung auch zum Cut getragen werden. Der Schuh ist in seiner eleganten Form aus braunem oder schwarzem Kalbs- oder Cordovan-Leder. Oxford-Schuhe mit dünner Ledersohle wirken hierbei am elegantesten.  Die Rauledervarianten sind meist grober (dickere Sohle) und in der Farbe Braun, welches sich zum Beispiel ideal für die Freizeit und Semi-Casual Einladungen eignet.


Der Brogue (oder Budapester)
Die Bezeichnung Budapester ist etwas irreführend, da das Schuhmodell an sich nicht aus Budapest stammt. Allerdings ist es bei ungarischen Schuhmachern sehr beliebt.
Der „Budapester“ heißt eigentlich Brogue und hat seinen Ursprung in ländlichen Gegenden von Irland und Schottland. Die dortigen Hirten bohrten sich Löcher in Ihre Lederschuhe um das Wasser, welches im sumpfigen Weidegebiet gerne in die Schuhe lief, schnell wieder loswerden zu können. Diese Praxis wurde dann von Jägern des schottischen Landadels adaptiert und somit in die „Gesellschaft“ eingeführt. Der Brogue hat sich im Laufe der Zeit als robuster und sportlicher Halbschuh etabliert. Das Hauptkennzeichen des Brogue ist die unverwechselbare Leistenform. Er ist auf einem breiten, relativ geraden Leisten gefertigt und hat eine relativ breite und rund geformte Spitze. Der Derby-Schaftschnitt mit offener Schnürung, Fersenkappe, Flügelkappe, Lyralochung und die doppelte Sohle machen die Aufmachung eines Brogue (Budapesters) perfekt.

Das Obermaterial des Brogue ist schwarzes oder braunes Kalbsleder. In Amerika häufiger Cordovan-Leder. Braunes Rauleder ist ebenfalls typisch für den Brogue oder Budapester. In Schwarz eigenet er sich auf für den Businessalltag, aber nicht für förmliche Anlässe. In Braun wird er im englischen Countrystil gerne in der Freizeit getragen.

Der Loafer
Ein Loafer ist ein Schlupfhalbschuh mit Absatz. Das bekannteste Modell ist der Pennyloafer (auch Collegeschuh genannt). In Deutschland ist die Bezeichnung „Slipper“ ebenfalls sehr gebräuchtlich für den Loafer. Das Obermaterial des Loafers ist meist Kalbs- oder Cordovan-Leder in Schwarz oder Braun. Auch Rauleder in Braun ist geläufig. Die ersten Modelle des Loafer wurden Anfang 1900 in Amarika produziert. Es soll sich dabei um den heutigen Pennyloafer geeignet haben. In den 1930er Jahren wurde dieses Schuhmodell zum Lieblingsschuh der Ivy League Universitäten und erhielt so auch seinen Namen. Angeblich steckten die Studenten einen Penny als Glücksbringer in die Aussparung der Schaftbrücke. So fanden die „Schlüpfschuhe“, welche bis zu den Zwanzigern nur im Haus getragen wurden Ihren Weg in die feine Gesellschaft Nordamerikas und der Welt. Der Loafer ist in Amerika nach wie vor sehr beliebt.

Auch in Enland hat der Loafer in Form des Tassel-Loafers seine Liebhaber gefunden. So tragen Mitglieder des Königshauses in Großbritannien den Loafer zum sonntäglichen Kirchgang. Bei uns in Deutschland ist der Loafer aber weniger beliebt, hier setzen die meisten Herren auf Schnürer. Der Loafer als Schlüpfschuh wird als weniger solide empfunden und daher gemieden. Wie wir finden, sehr schade….denn der Loafer ist ein sehr bequemer und doch stilvoller Schuh für die Freizeit und Semi-Casual.

Der Bootsschuh
Wie der Name schon sagt, hat der Schuh seine Herkunft auf Booten, im Speziellen dem Segelsport. Seine Besonderheit ist die flexible und rutschfeste weiße Gummisohle. Durch die weiße Gummisohle hinterlässt der Schuh keine dunklen Gummistriemen auf dem Teak-Holzboden der Boote. Die Konstruktion des Schuhs ist vom Mokassin abgeschaut. Wie dieser, ist auch der Bootsschuh zum Barfußtragen gedacht.

Der ungefütterte Schaft besteht aus robustem, glattem oder rauem Nubuk oder Glattleder. Die gebräuchlichsten und klassischsten Farben sind Braun, Dunkelbraun, Weiß, Weiß-Braun oder Weiß-Blau. Mittlerweile ist der Bootsschuh auch in anderen Trendfarben zu haben. Als Schnürsenkel dient ein 120 Zentimeter langer Lederriemen, der auch die Einstiegsöffnung des Schuhs umgibt und es ermöglicht einen aufgrund von Nässe im Fersenbereich rutschenden Schaft anzupassen. Die meist 4 Senkelösen sind aus anlaufgeschütztem Messing. Heutzutage gilt der Bootsschuh als strapazierfähiger Freizeit- und Sommerschuh, der sich seiner Beliebtheit auch außerhalb des Segelsports sicher ist.


Der Chukka Boot
Von eleganten Italienern wird der Chukka Boot auch im Businessalltag eingesetzt und gerne mal zum Flanellanzug getragen. Wir Deutschen hingegen haben den Chukka Boot eher für die Freizeit entdeckt. Mit Chino oder Jeans getragen hat er einen festen Platz im Schuhschrank deutscher Männer. Die Engländer finden, er passt perfekt zu Tweed, Cord und Wachsjacke – was wir hier nicht widersprechen möchten. Seine Herkunft hat er als Freizeitstiefelette englischer Polospieler. Eine Form von Chukka Boots, welche von Britischen Soldaten während der „Western Desert Campaign“ (im 2. Weltkrieg) getragen wurde, brachte dem Chukka Boot auch den Namen Desert Boot ein. Besonderheit beim Desert Boot: Crepe Gummisohle.

Der Sneaker
Wenn man den klassischen Stilregeln folgt, sind die Sneaker zum Businessanzug tabu. Gesehen wurde der „Sneaker zum Anzug Look“ vor allem in der kreativen Werbeszene. Wir sagen trotzdem: Sneaker zum Anzug ist ein no für einen echten Gentlemen. Der Sneaker hat sich im Laufe der Zeit aus dem Sportschuh entwickelt und ist perfekt für die Freizeit geeignet. Er kann auch zum Semi-Casual Businessoutfit getragen werden, wenn man eine sehr lockere Kleidungsvorschrift in der Firma hat. Sneaker zur Chino mit Sakko und Hemd kann durchaus eine gute Kombination bilden. Der Sneaker ist meist aus einer Kombi aus Syntethik und Leder oder komplett aus Leder. Die Farbkombinationen sind vielfältig. Speziell in Europa gibt es kaum einen beliebteren Schuh als den Sneaker was die Freizeitschuhmode betrifft. Die verschiedenen Modelle unterliegen alle paar Jahre einem steigenden oder fallenden Beliebtheitsindex. Momentan erlebt der Converse (eine Sneaker-Variante) einen echten Hype.

 

Hier noch Tipps zur Pflege von Lederschuhen.

 

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One thought on “Herrenschuhe: Die wichtigsten Modelle

  1. Ausnahmsweise kann man den Sneaker auch als Schuh bezeichnen…ausnahmsweise! 😉 Sehr gute Zusammenfassung, gefällt mir.

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