7. Februar 2013

Kleider machen Leute & warum dies wirklich stimmt…

Im Alltag vergisst man oftmals die Wichtigkeit der Kleidung. Noch nicht ganz ausgeschlafen, möchte man nur kurz zum Bäcker ein Croissant holen und streift schnell etwas Legeres über. Schnell auf zum Supermarkt am Wochenende…eher selten achtet man(n) dabei auf ein gutes Outfit. Wie Sie sehen, gute Kleidung ist hier nicht immer gleichbedeutend mit Businesskleidung, auch wenn ein Anzug natürlich in einer ganz anderen Liga spielt als Chino und Jeans. Auch in der Freizeit gibt es große Unterschiede zwischen einem guten und einem schlechten Outfit und leger ist nie gleich leger. Unsere Models im Titelbild machen es vor – wer sich wohlfühlt in seiner Haut und Kleidung, hat eine bessere Ausstrahlung! Kleider machen also Leute – das wusste bereits Gottfried Keller, welcher die gleichnamige Novelle über den Schneidergesellen Strapinski schrieb. Dass er mit dieser Aussage gar nicht so unrecht hatte, belegen heute längst zahlreiche Studien. Wie kann man(n) die Wirkung von Kleidung nun für sich nutzen? Unsere Praktikantin Jessica ist dieser Frage mal auf den Grund gegangen….

Bewerbungsmappe- und Gespräch: die Kleidung ist entscheidend

Wie die University of Minnesota in einem Experiment herausfand, ist das richtige Businessoutfit für eine Bewerbung unerlässlich. In dem Experiment wurden identische Bewerbungsmappen für eine Bewerberin erstellt, die sich lediglich in ihrem Bewerbungsfoto unterschieden. In der ersten Variante trug die Dame einen Anzug, in der zweiten ein Rollkragenkleid und in der dritten ein tief dekolletiertes Oberteil. Die Bewerbungsmappen wurden von 300 Personalentscheidern durchgesehen und beurteilt.

Obwohl der Text der Bewerbungen identisch war, wurde die Frau im Anzug als besser und kompetenter wahrgenommen. Wenn Sie also bisher nicht viel Wert auf Ihr Bewerbungsfoto gelegt haben, weil es ja sowieso niemand ansieht: schnell zum Fotografen und ein neues machen! Denn das Foto trägt entscheidend dazu bei, ob Ihr Lebenslauf positiv wahrgenommen wird.


Einfluss wächst mit der Kleidung
Chialdini beschreibt in seinem Buch „Die Psychologie des Überzeugens“ sechs Waffen der Einflussnahme, die automatisch wirken, ohne dass wir darüber nachdenken. Eine davon ist die Autorität, die vor allem durch Symbole wie Kleidung, Luxus und akademische Titel in Erscheinung tritt. Da wir unsere Kleidung immer für alle sichtbar am Körper tragen, ist Sie ein wichtiges Mittel, um auf andere Menschen Einfluss zu nehmen. Wenn Sie im Beruf verkaufen oder verhandeln müssen, ist die richtige Kleidung also das A und O.

Aber auch im Alltag kommen Sie gut gekleidet schneller ans Ziel. Besser gekleideten Menschen wird nämlich öfters und schneller geholfen. Studien belegten dies für Situationen, in denen Passanten um Telefongeld gebeten wurden und in denen Personen an öffentlichen Plätzen gestürzt sind. Sie können dieses Wissen nun nicht nur für sich nutzen, sondern auch ihr eigenes Verhalten hinterfragen. Können Sie dem Fremden seine Bitte nur nicht ausschlagen, weil er einen Anzug trägt? 😉


Überzeugen Sie andere und sich selbst
Die Außenwirkung von Kleidung stellen wir meistens nicht in Frage. Aber unsere Kleidung beeinflusst auch uns selbst. Eine Studie an der Northwestern University beschäftigte sich mit diesem Effekt. Adam Galinsky und Hajo Adam arbeiteten mit dem Laborkittel als Kleidungsstück. Personen, die gewöhnlich dieses Kleidungsstück tragen, werden als intelligent und sorgfältig wahrgenommen. Die Probanden mussten sich dem Stroop-Test stellen, wobei eine Hälfte der Teilnehmer einen Laborkittel trug und die andere nicht.

Der Stroop-Test verlangt den Teilnehmern eine hohe Konzentration ab. Es werden einzeln Worte präsentiert, deren Farbe der Proband nennen soll. Sehen Sie selbst:

Bei der letzten, schwierigeren Variante sind die Farben der Wörter inkongruent mit deren Inhalt. Sie werden vielleicht den mentalen Verarbeitungskonflikt gespürt haben, den ihr Gehirn beim Benennen der Farben durchlaufen hat. Bei dieser Aufgabe brauchen Probanden für gewöhnlich etwas länger und machen auch einige Fehler.

Bei dem Experiment von Galinsky und Adam zeigte sich aber, dass Probanden, die einen Laborkittel trugen, weitaus besser abschnitten als jene ohne. Sie machten nur halb so viele Fehler. Das Tragen des Kittels machte die Probanden nicht schlauer, brachte sie aber in die Lage, ihre verfügbaren Fähigkeiten besser zu nutzen. Sie fühlten sich sicherer.

Was heißt das für Sie? Nein, Sie sollten keineswegs jeden Tag einen Kittel tragen – es sei denn, Sie sind Arzt. Öfters mal zum Anzug greifen, wäre schon ein Anfang. Da Sie durch Businessmode nach außen überzeugender wirken, könnte dies Ihre Eigenwahrnehmung in diesem Bereich immens beeinflussen. Wenn Sie es nicht glauben, probieren Sie es aus! Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungswerte!

Quellen: Hajo Adam und Adam D. Galinsky (2012): Enclothed Cognition. In: Journal of Experimental Social Psychology, 48/4, S. 918-925. Robert B. Cialdini (2007): Psychologie des Überzeugens.

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One thought on “Kleider machen Leute & warum dies wirklich stimmt…

  1. Conrads sagt:

    Also nicht zu leger gekleidet ausser Haus gehen. Schliesslich trifft man in solchen Situationen ja auch immer Leute, mit denen man nicht rechnet…
    Und sich seiner Position entsprechend zu kleiden ist ein guter Hinweis. Toller Ratgeber.
    Bitte weiter so – so macht lernen Spaß

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