16. Juli 2014

Understatement statt Pracht: Die Geschichte des Anzugs

Er steht für Seriosität, ist täglicher Begleiter vieler Herren und zugleich stilvoller Klassiker: mit einem Anzug ist Man(n) immer gut gekleidet! Nicht zuletzt deshalb ist die Anzugabteilung einer der größten Kompetenzbereiche von HIRMER. Doch, wo hat er eigentlich seinen Ursprung? Wir drehen die Zeit zurück und lassen Sie an der Entstehungsgeschichte des klassischen Anzugs teilhaben.

Spitze für den Mann: Barock und Rokoko

17th century © Shutterstock.com

Alles hat seinen Anfang im 17. und 18. Jahrhundert. Das Barock- und Rokokozeitalter galt als schillernde Prunk-Epoche, in dem der märchenhafte Sonnenkönig Ludwig XIV. als modisches Vorbild für die europäische Adelsgesellschaft angesehen war. Gezeichnet von strengen, gesellschaftlichen Hierarchiestrukturen galt auffällige Bekleidung als Statussymbol, die die Machtstellung des einflussreichen Adels zum Ausdruck bringen sollte. Der modische Stil des 18. Jahrhunderts war von der vorhergehenden Epoche, dem Spät-Barock, und dem sich daraus entwickelnden künstlerischen Stil des Rokoko, geprägt. Pompöse Oberteile, verspielte Westen, Hemden mit feiner Spitze und weitem Ärmel waren privilegierte Kleider-Komponenten des Adels. Vor allem auffällige, prächtige Farben dominierten die Mode der verschwenderischen Prunk-Epoche. Der Fachbegriff des Herren-Kleidungsstücks dieses Jahrhunderts nannte sich „Justaucorps“. Ein kostbares Gewand, das sich durch Ludwig XIV. als allgemeine Modetracht etablierte. Das Beinkleid, eine relativ weite Hose, die am Knie eng zusammengerafft war, bezeichnete man als „Culotte“ – ein beim Volk verhasstes aristokratisches Merkmal. Eine Ausnahme stellte seinerzeit der englische Landadel dar, der bereits im 17. Jahrhundert einen Reitanzug bei Jagdaktivitäten und Pferderennen trug. Der Begriff „Anzug“ umfasste zu dieser Zeit eine als Einheit getragene Kleidung und galt als eine Art Uniform, bspw. der Militärs.

Im Wandel der Zeit: Industrielle- und Französische Revolution

Industrial revolution © Shutterstock.comMitte des 18. Jahrhunderts, im Zuge der beginnenden industriellen Revolution in England, entstand eine gesellschaftliche sowie modische Umschichtung. Das Maschinenzeitalter, verbunden mit wirtschaftlichem Aufschwung, prägte den neuen Modestil: von nun an musste Kleidung praktisch und bequem für Arbeit und Leistung sein. Harte Konkurrenzkämpfe brachten den schlichten, geschäftstüchtigen Zweckanzug hervor. In Paris bewirkte erst die Französischen Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Sturz der Monarchie einen gewaltigen Wandel hervor: das Bürgertum schaffte die vorgegebene Kleiderordnung ab und der Adel passte sich den praktischen Bedürfnissen des Volkes an. Von nun an galt der französische Hof nicht länger als modischer Orientierungspunkt des europäischen Adels. Die Farben wurden gedeckter, der Kleidungsstil schlichter und die Kniebundhosen des Rokoko-Adels wurden durch lange, schmale Röhrenhosen (“pantalons”) ersetzt, zu denen man nun ein Jackett mit Weste trug.

Die Zeit des Gentlemans: Dandy-Stil

Dandy © lynea-Fotolia.com Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich der sog. Dandy-Stil durch, der durch elegante Kleidung, kostbare Halstücher und makellose Manieren überzeugte. Er wurde von britischen Schneidern entwickelt und inspirierte sich an der Sportgarderobe des englischen Adels und Großbürgertums. Der adelige Brite Beau Brummell, galt als Vorreiter dieser neuen Männerbekleidung und trug als erster englischer Dandy bei der Anfertigung körperbetonter Herrenbekleidung maßgeblich bei. Er standardisierte das Reitkostüm mit körperbetonter V-Silhouette und machte es somit salonfähig.

Schwarz-graue Zurückhaltung

Gentleman © lynea-Fotolia.comAb Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die gesellschaftliche Stellung des Mannes durch die prächtige Garderobe seiner Gattin repräsentiert. Die Herrenmode trat in den Hintergrund und zeichnete sich von nun an durch eine schwarz-graue Zurückhaltung aus, damit sich der Mann auf die Geschäfte fokussieren konnte. Der deutsche, tüchtige Bürger nahm sich den schlichten Kleidungsstil des Engländers mit seiner uniformen Zwecktracht zum Vorbild. Der schmucklose Anzug im seriösen, puritanischen Stil etablierte sich im 19. Jahrhundert und wurde vom schwarzen Zylinderhut unterstrichen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zur Zeit des Ersten Weltkriegs, war die Bekleidung aufgrund des Rohstoffmangels praktikabel. Erst in den 20er Jahren erlebte die Mode einen erneuten Aufschwung, wurde zum Lebensgefühl und entwickelte sich durch Medien und Werbung zum Massenphänomen. Durch die industrielle Kleiderfertigung wurden erstmals Standardgrößen hergestellt und der Anzug setzte sich als Herrenbekleidung in allen Schichten durch.

Damals wie heute

Anzugmotiv ©HIRMER Der heutige Anzug, als Kombination aus langer Hose und Jackett mit Weste, ist in seiner Grundform seither fast unverändert geblieben, es entwickelten sich jedoch über Jahrzehnte hinweg verschiedene Stilvarianten. Je nach gesellschaftlichem Anlass besteht das Oberteil aus Sakko, Cutaway oder Smoking. Durch kleine Veränderungen – vor allem im Schnitt – wird der Anzug jedoch auch heute noch immer wieder aktuellen Trends angepasst.

Persönliche Beratung

Entdecken Sie unsere große Auswahl an Farben, Passformen und Größen in unserer Anzugabteilung im HIRMER-Stammhaus in München und lassen Sie sich von unseren Verkaufsberatern kompetent beraten. Sollten Sie über den Onlineshop einkaufen, sind Ihnen unsere Fachberater der HIRMER-Hotline gerne behilflich, um Ihnen bei der Auswahl des richtigen Modells online zur Seite zu stehen.

Wir freuen uns auf Sie!

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